Könnte das der Grund für Reizdarm sein?

Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, von der ca. 10 Prozent der Menschen betroffen sind. Diese Erkrankung wird mit Bauchkrämpfen, Blähungen und Durchfall, sowie weiteren Verdauungsbeschwerden begleitet. Bislang war die Ursache für diese Erkrankung unklar. Auch eine Diagnose ist oftmals mit einem langen Weg verbunden.

Nun allerdings wollen Forscher die Ursache für die schmerzhafte Darmerkrankung gefunden haben. Laut ihnen soll eine Immunreaktion des Darmes schuld sein. Diese soll durch bestimmte Antigene in Lebensmitteln reagieren. Was hat es mit dieser Entdeckung auf sich? Ist sie wirklich aussagekräftig und bringt sie für Betroffene und die Zukunft eine hochwertige Hilfe? Wir von Shreddies haben uns das einmal genauer angesehen.

Was steckt hinter der Reizdarm-Studie?

Die belgische Universität Leuven veröffentlichte die Studie auf nature.com. Als Grundlage diente die Beobachtung, dass Betroffene maßgeblich nach der typischen Darminfektion Beschwerden zeigten. Dies ließ die These zu, dass es für den Darm eine Rolle spielen könnte, welche Lebensmittel während der Dauer eines Darminfekts der Verdauung zugeführt werden.

Um diese Theorie zu überprüfen wurden Tests mit Mäusen durchgeführt. Hierfür gaben die Forscher Mäusen nach einer akuten Darminfektion ein Allergie auslösendes Eiweißprotein. Die Kontrollmäuse konnten das Allergen ohne Probleme verdauen. Zuvor infizierte Mäuse bekamen teilweise Durchfall. Dabei wurde festgestellt, dass diese Mäuse im Dickdarm vermehrt IgE-Antikörper aufwiesen, welche gegen das Protein arbeiten. Die Folgerung daraus ist, dass es zu einer lokalen Immunreaktion im Dickdarm kam. Außerdem wurde auch eine erhöhte Aktivität der Mastzellen im Darm festgestellt.

Während der Studie erhielten die Mäuse spezielle Mastzell-Hemmer sowie Anti-IgE-Antikörper, welche auch in Antihistaminika enthalten sind. Dadurch konnte die vorherig beschriebene Reaktion verhindert werden. Was bedeutet dies nun für die Humanmedizin?

Welche Auswirkungen hat dies auf die Reizdarm-Forschung?

Als Folgerung aus den Ergebnissen der Forschung kann abgeleitet werden, dass konkrete Allergene, welche in bestimmten Lebensmitteln vorkommen, im Darm eine Immunreaktion auslösen können und da mit die Mastzellen aktivieren. Leider muss auch dazu gesagt werden, dass diese Erkenntnis nicht komplett neu ist, denn bei 25% der Reizdarmpatienten ist eine akute Darminfektion klar als Auslöser identifizierbar.

Infekte können Barrierestörungen auslösen, das ist der Wissenschaft heute bekannt. Allerdings wurden bei der Studie den Mäusen, welche unter einem Darminfekt litten, ein Antigen in den Darm injiziert. Dieser Fall lässt sich so auf den Menschen nicht übertragen, so Experten. Dennoch ist die Erkenntnis nicht schlecht, denn tatsächlich ist bekannt, dass Infekte auch Lebensmittel-Antigene-Reaktionen auslösen können.

Tatsächlich würde dieser Fall aber nur einen kleinen Teil der Patienten mit Reizdarmsyndrom betreffen. Dennoch ist es wichtig, dass sich auch auf kleine Teile konzentriert wird, denn jeder Mini-Aspekt könnte der Schlüssel zur Lösung darstellen. Bislang wurde die Definition von Reidzarm recht einfach gehalten und war anhand folgender Symptome wurde es festgemacht:

  • Bauchbeschwerden, Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe
  • Blähungen in verstärkter und häufiger Form
  • Durchfall und Verstopfung kommen hinzu
  • Der Zeitraum der Beschwerden besteht seit mindestens drei Monaten

Heute geht man an die Sache anders heran, denn tatsächlich ist das Reizdarmsyndrom viel komplexer, als es bisher angenommen wurde. Bekannt ist, dass es eine ganze Reihe von sehr unterschiedlichen Ursachen geben könnte. Einen Hauptgrund sehen die Forscher allerdings in der gestörten Barrierefunktion des Darmes. Diese könnte mit ein Hauptauslöser sein.

Das Problem bei dieser Art der Studien ist, dass es Reaktionen auf Nahrungsmittel gibt, welche nicht durch systematische Analysen nachgewiesen werden können. Diese wurden bislang als Intoleranz bewertet. Dabei konnten nur an der Darmschleimhaut entsprechende Reaktionen festgestellt werden.

Können die Ergebnisse auf den Menschen übertragen werden?

Die große Frage ist wie immer, ob diese Testergebnisse, die anhand von Mäusen ermittelt wurden, auch wirklich auf den Menschen übertragen werden können. Die Wissenschaftler, welche hierfür verantwortlich sind, haben auch an Menschen Tests durchgeführt. Dabei wurden 12 Reizdarmpatienten gegenüber acht gesunden Personen zur Studie hinzugezogen. Alle Personen wurden Lebensmittel-Antigenen ausgesetzt. Nicht eine Person hat allergisch auf die Lebensmittel reagiert.

Dennoch zeigt das Ergebnis ein klares Bild, denn bei näherer Betrachtung zeigten alle 12 Reizdarm-Patienten eine Reaktion an der Schleimhaut, welche mindestens von einem der getesteten Antigenen hervorgerufen wurde. Bei den gesunden Testpersonen reagierten nur zwei Personen. Bei den Reizdarm-Patienten war auch die Mastzell-Aktivität bei allen Probanden deutlich erhöht.

Zusammenfassend ist das gesamte Thema Reizdarmsyndrom sehr umfangreich und bietet viele detailreiche Facetten. Genau das macht es so schwer dieses Segment zu erforschen. Außerdem wurde festgestellt, dass manche Reizdarm-Patienten an einer Unverträglichkeit leiden, andere wiederum nicht. Auch sind nicht bei allen Betroffenen Entzündungszellen zu finden. Durch das Reizdarm-Syndrom werden also sehr unterschiedliche Mechanismen ausgelöst, welche häufig ähnliche oder gleiche Symptome aufzeigen.

Es liegt also noch ein langer Forschungsweg vor der Wissenschaft, bevor dieses Thema komplett analysiert ist. Sollten Sie die oben genannten Symptome an sich bemerken, so lassen Sie sich am Besten von Ihrem Arzt gründlich untersuchen. Vielen Reizdarmpatienten hilft es, Probiotika oder Pfefferminzöl zu sich zu nehmen. So können die Symptome heute schon, durch eine angepasste Therapie gelindert werden.

Dieser Beitrag stellt in keiner Weise ein Ersatz für professionelle Beratungen oder Behandlungen durch ausgebildete und anerkannte Ärzte dar und ist lediglich als unverbindliche Information anzusehen. Für die Erstellung eigenständiger Diagnosen kann und darf dieser Beitrag nicht herangezogen werden. Für Schäden, die durch den Gebrauch oder Missbrauch dieser Informationen entstehen, wird gegen-blaehungen.de weder direkt noch indirekt zur Verantwortung gezogen. Die Betreiber dieser Seite raten allen Benutzern mit Gesundheitsproblemen dazu auf, immer einen Arzt aufzusuchen, der Sie beraten kann, welche Behandlung in Ihrem konkreten Fall sinnvoll ist. Wir raten von Behandlungen ohne ärztliche Aufsicht ab.